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Die Schlummerbibliothek

Albträume und Nachtschreck bei Kindern: unterscheiden und helfen

Ihr Kind schreit nachts. Ein böser Traum, oder ein Nachtschreck, bei dem es gar nicht wach ist? So erkennen Sie den Unterschied und helfen richtig.

Aktualisiert am 29.10.2026

Es ist Mitternacht, und aus dem Kinderzimmer kommt ein Schrei. Sie laufen hin. Manchmal umarmt Sie Ihr Kind und erzählt, was es geträumt hat. Ein andermal sitzt es mit offenen Augen im Bett, schreit und nimmt Sie gar nicht wahr. Es sieht ähnlich aus, aber es sind zwei verschiedene Dinge. Und bei beiden sollten Sie sich anders verhalten.

Beides ist bei Kindern häufig, und die meisten Kinder wachsen heraus. Böse Träume haben aber hin und wieder auch Erwachsene.

Wie man sie unterscheidet

Entscheidend ist vor allem, ob das Kind wach ist und wann in der Nacht es passiert.

Ein Albtraum ist ein böser Traum. Das Kind wacht davon auf, hat Angst und erinnert sich an den Traum. Albträume kommen eher gegen Morgen, in der zweiten Nachthälfte, wenn die Träume am lebhaftesten sind.

Ein Nachtschreck (Pavor nocturnus) kommt kurz nach dem Einschlafen, oft noch bevor die Eltern ins Bett gehen. Das Kind ist dann im tiefsten Schlaf. Es schreit, strampelt, schwitzt oder springt aus dem Bett. Die Augen sind offen, aber es schläft weiter. Meist ist es nach einer Viertelstunde vorbei. Am Morgen erinnert sich das Kind an nichts. Nachtschreck haben vor allem jüngere Kinder, etwa zwischen 3 und 8 Jahren.

Albtraum Nachtschreck
Wann eher gegen Morgen kurz nach dem Einschlafen
Ist das Kind wach? ja, es wacht auf nein, es schläft
Wie es aussieht weint, hat Angst, will zu Ihnen schreit, strampelt, nimmt Sie nicht wahr
Am Morgen erinnert sich an den Traum erinnert sich an nichts

Etwas anderes ist die Schlaflähmung. Dabei kann man sich beim Einschlafen oder Aufwachen kurz weder bewegen noch sprechen. Mit dem Nachtschreck hat sie nichts zu tun.

Was sie auslöst

Oft reicht es, dass das Kind übermüdet oder krank ist. Auch Lärm oder eine volle Blase können den Tiefschlaf stören. Eine Rolle spielen außerdem Angst und Stress: ein gruseliger Film, Streit zu Hause oder Sorgen in der Kita.

Manchmal stecken Medikamente dahinter oder eine Krankheit, die den Schlaf stört. Zum Beispiel eine Schlafapnoe, bei der das Kind nachts zeitweise nicht atmet, oder das Restless-Legs-Syndrom. Nachtschreck und Schlafwandeln liegen außerdem in der Familie. Häufiger betroffen sind Kinder, deren Eltern oder Geschwister das auch hatten.

Wenn ein Albtraum kommt

Das Kind ist wach und braucht Sie. Die Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde (AAP) rät:

Laut AAP können Albträume schon mit einem halben Jahr beginnen. Am häufigsten sind sie zwischen 3 und 12 Jahren. Ein gelegentlicher böser Traum ist also auch bei Schulkindern normal.

Wenn ein Nachtschreck kommt

Hier ist es umgekehrt. Das Kind schläft, und wenn Sie es trösten oder festhalten, kann es sich noch mehr aufregen. Am besten ist es, wenn Sie:

Nach dem Nachtschreck schläft das Kind meist sofort weiter. Eigentlich ist es gar nicht aufgewacht, und am Morgen weiß es von nichts. Schwer ist dieser Moment vor allem für die Eltern. Erzählen Sie auch dem Babysitter oder der Oma davon, damit sie wissen, was zu tun ist.

Kommt der Nachtschreck jede Nacht zur gleichen Zeit? Der britische Gesundheitsdienst NHS empfiehlt dann diesen Versuch: Wecken Sie Ihr Kind zwei Wochen lang jede Nacht sanft etwa 15 Minuten bevor der Nachtschreck gewöhnlich beginnt. Manchmal hört er dadurch auf.

Wenn das Kind schlafwandelt

Schlafwandeln ist eng mit dem Nachtschreck verwandt. Beides kommt aus dem Tiefschlaf. Eine große kanadische Studie begleitete fast 2000 Kinder. Etwa ein Drittel der Kinder, die als Kleinkinder Nachtschreck hatten, schlafwandelte später. Am häufigsten schlafwandelten Kinder um das 10. Lebensjahr. Öfter betroffen waren Kinder, deren Eltern ebenfalls geschlafwandelt waren.

Behandelt werden muss das meist nicht. Bis zur Pubertät wachsen die meisten Kinder heraus. Wichtig ist, dass sich das Kind nicht verletzt:

Wenn Sie es beim Schlafwandeln finden, führen Sie es sanft zurück ins Bett. Meist schläft es von allein wieder ein. Wecken müssen Sie es nicht. Wenn Sie es doch tun müssen, seien Sie vorsichtig. Wacht es abrupt auf, ist es verwirrt und kann erschrecken.

Was vorbeugen kann

Meist geben sich Albträume und Nachtschreck von selbst. Helfen können:

Kindern, die oft Albträume haben, kann etwas Einfaches helfen: den Traum umschreiben. Das Kind denkt sich tagsüber ein anderes, gutes Ende aus oder malt es, und wiederholt es dann. In einer kleinen kanadischen Studie mit Kindern von 9 bis 11 Jahren gingen so die Albträume zurück. Das Ergebnis hielt auch nach neun Monaten noch an. Am besten gelingt das mit einer Psychologin oder einem Psychologen. Bei häufigen Albträumen hilft auch eine kognitive Verhaltenstherapie.

Wenn Ihr Kind vor allem Angst vor der Dunkelheit hat und nicht allein schlafen will, lesen Sie weiter im Artikel Mein Kind hat Angst im Dunkeln.

Wann zum Kinderarzt?

Sprechen Sie mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt, wenn:

  • Albträume auch nach dem 6. Geburtstag weitergehen,
  • Albträume häufig sind oder nach etwas begonnen haben, das das Kind erschreckt oder stark aufgewühlt hat,
  • der Nachtschreck nach dem 12. Lebensjahr anhält,
  • der Nachtschreck erst nach dem 5. Lebensjahr begonnen hat,
  • der Nachtschreck oft wiederkehrt und Sie nicht weiterwissen.

Wegen Schlafwandelns melden Sie sich, wenn es den Schlaf des Kindes stört, Sie Angst haben, dass es sich verletzt, oder wenn es tagsüber sehr müde ist. Melden Sie sich auf jeden Fall, wenn Ihnen auffällt, dass es im Schlaf Atemaussetzer hat.

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