Das Maskottchen der Schlummerbibliothek ist die Katze Miky. Wir sagen von ihr, dass sie nicht schläft, sondern über Ihren Schlaf wacht. Echte Katzen sind da anders: Im Schlafen sind sie Meisterinnen. Schauen wir uns an, was die Forschung über ihren Schlaf weiß.
Wie viel Katzen schlafen
Eine genaue Zahl für alle Katzen gibt es nicht. Eine gute Vorstellung gibt aber eine große britische Umfrage unter Haltern älterer Katzen (ab 11 Jahren). 1995 beantworteten sie darin Fragen zu mehr als 1.200 Katzen:
- Mehr als die Hälfte der Katzen (55 %) schlief die Hälfte bis drei Viertel des Tages. Das sind etwa 12 bis 18 Stunden.
- Fast 40 % schliefen mehr als drei Viertel des Tages, also über 18 Stunden.
- Weniger als den halben Tag schliefen nur knapp 6 % der Katzen.
Je älter die Katze, desto mehr schlief sie. In einem neueren Teil derselben Umfrage (2010–2015) gaben Halter bei 71 % der älteren Katzen an, dass sie mehr schlafen als früher. Es sind Schätzungen der Halter, keine Messungen mit Geräten, und es geht um Katzen im Seniorenalter. Das Bild stimmt aber: Die Katze ist ein Tier, das den größten Teil des Tages verschläft.
Warum sie so viel schlafen
Eine vollständige Antwort darauf hat bisher niemand. Forscher geben sogar zu, dass keine Theorie bisher ganz erklärt, warum Tiere überhaupt schlafen müssen. Ein paar Spuren gibt es aber.
Der Schlafforscher Jerome Siegel hat zusammengefasst, was wir über den Schlaf von Säugetieren wissen. Am meisten schlafen Fleischfresser, weniger Allesfresser und am wenigsten Pflanzenfresser. Siegel nennt zwei mögliche Erklärungen. Große Pflanzenfresser sind stärker durch Raubtiere bedroht und können sich langen Schlaf nicht leisten. Und Gras hat wenig Energie, deshalb müssen sie lange fressen.
Ein Raubtier hat es anders. Fleischfresser haben laut Siegel meist einen sicheren Schlafplatz. Sie können deshalb nutzen, was der Schlaf bietet. Nach einer der Theorien hilft er, Energie zu sparen: Ein schlafendes Tier ist ruhig und verbraucht weniger.
Munter in der Dämmerung
Wer eine Katze hat, kennt das. Um vier Uhr morgens läuft sie über die Bettdecke, und abends jagt sie unsichtbare Mäuse. Das ist keine Bosheit.
Französische Forscher beobachteten drei Wochen lang 23 Katzen in einem Raum und in einem Außengehege. Bei beiden Gruppen gab es zwei Gipfel der Aktivität: in der Morgen- und in der Abenddämmerung. Am ruhigsten waren sie vor allem nachts, die Katzen draußen manchmal auch um die Mittagszeit. Solche Tiere nennt man dämmerungsaktiv. Außerdem waren die Katzen munterer, wenn Menschen in der Nähe waren.
Die Katzen draußen legten im Schnitt über 4 km am Tag zurück, die Katzen im Raum etwa 2,3 km. Die Katzen im Raum fraßen dafür öfter, richteten sich stärker nach den Menschen, und ihr Tag war regelmäßiger.
Wenn Ihre Katze Sie weckt, rät die Sleep Foundation, tagsüber mehr mit ihr zu spielen. Eine Katze, die sich langweilt, sucht sich ihre Unterhaltung in der Nacht.
Träumen Katzen?
Katzen haben wie wir zwei Hauptarten von Schlaf: ruhigen Tiefschlaf und REM-Schlaf. Der heißt nach den schnellen Augenbewegungen (englisch rapid eye movement). Gerade an Katzen hat man viel über ihn herausgefunden. Der amerikanische Arzt William Dement beschrieb ihn bei ihnen 1958. Ein Jahr später entdeckte der französische Forscher Michel Jouvet, dass bei Katzen in dieser Phase die Muskeln ganz erschlaffen, obwohl das Gehirn fast wie im Wachzustand arbeitet. Deshalb nannte er ihn paradoxen Schlaf.
Jouvet bemerkte noch etwas. Wenn er in Versuchen einen kleinen Bereich im Hirnstamm ausschaltete, der den Körper im Schlaf ruhig hält, standen die Katzen im REM-Schlaf auf und benahmen sich, als würden sie etwas verfolgen. Sie schauten sich um und bewegten sich, schliefen aber weiter. Forscher sprechen von Katzen, die „ihre Träume spielen“.
Was eine Katze träumt, erfahren wir aber nicht. Fragen können wir sie nicht. Wenn Ihre Katze im Schlaf mit den Schnurrhaaren oder Pfoten zuckt, träumt sie vielleicht gerade. Sicher ist das nicht. Mehr über die Träume von Menschen finden Sie im Artikel Warum wir träumen.
Wann Sie aufmerksam werden sollten
Dass eine Katze viel schläft, ist normal. Eine plötzliche Veränderung kann aber etwas bedeuten. In der britischen Umfrage hing längerer Schlaf bei älteren Katzen mit Nierenerkrankungen, Arthrose, Taubheit oder Blindheit zusammen. Die Autoren weisen darauf hin, dass man solche Veränderungen leicht für „normales Altern“ hält, obwohl eine behandelbare Krankheit dahintersteckt.
Wenn Ihre Katze plötzlich viel mehr oder kaum noch schläft, nicht mehr frisst, mehr trinkt, abnimmt oder nachts miaut, gehen Sie mit ihr zur Tierärztin oder zum Tierarzt.
Was wir von Katzen lernen können
Die Katze schläft laut Sleep Foundation nicht am Stück, sondern in mehreren kürzeren Abschnitten über Tag und Nacht. Für Menschen ist das kein Vorbild, wir brauchen vor allem einen zusammenhängenden Nachtschlaf. Ein kurzer Mittagsschlaf kann aber auch uns helfen. Wie er der Nacht nicht schadet, steht im Artikel Mittagsschlaf für Erwachsene.
Und wenn Sie Geschichten mit Tieren hören möchten, finden Sie sie unter Tiergeschichten. Miky wacht derweil.
Quellen:
- Sordo u. a., Veterinary Sciences 2020 – Verhaltensänderungen und Krankheiten älterer Katzen
- Siegel, Nature 2005 – Clues to the functions of mammalian sleep
- Cirelli & Tononi, PLoS Biology 2008 – Is sleep essential?
- Parker u. a., Animals 2022 – Tagesrhythmus von Katzen drinnen und draußen
- Sleep Foundation – How Many Hours Do Cats Sleep?
- Jones, Sleep Medicine 2018 – The mysteries of sleep and waking unveiled by Michel Jouvet
- Sanford u. a., Journal of Sleep Research 1994 – Katzen mit REM-Schlaf ohne Muskelerschlaffung
- Márquez-Ruiz & Escudero, Journal of Physiology 2008 – Augenbewegungen von Katzen im Schlaf
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keinen Besuch in der Tierarztpraxis.



