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Die Schlummerbibliothek

Kognitives Mischen: Zufallsbilder statt Schäfchenzählen

Wort, Buchstabe, Bild, nächstes Bild. Woher der „Cognitive Shuffle“ kommt, warum er wirken könnte, was die Forschung sagt und wie Sie ihn ausprobieren.

Aktualisiert am 29.10.2026

Tasse. Komet. Igel. Regenschirm. Keine Geschichte, kein Zusammenhang. Nur Bilder, die Sie sich eines nach dem anderen vorstellen. So sieht kognitives Mischen aus, auf Englisch cognitive shuffle. Im Internet wird es heute als „Einschlaftrick“ gehandelt. Schauen wir uns an, was dahintersteckt. Einen kurzen Vergleich mit anderen Methoden finden Sie im Artikel Schnell einschlafen. Hier gehen wir mehr in die Tiefe.

Wie Einschlafen von innen aussieht

Beim Einschlafen verändert sich unser Denken. Forschende haben Menschen im Schlaflabor kurz nach dem Einschlafen geweckt und gefragt, was ihnen gerade durch den Kopf ging. Eine Übersicht solcher Studien aus dem Jahr 2020 beschreibt das Einschlafen so:

Eine schottische Studie zeigte das auch an der Sprache. Nach dem Einschlafen beschrieben die Menschen seltener, dass sie über etwas nachdenken, und häufiger, dass sie in ihrer Vorstellung etwas tun. Das vernünftige Denken weicht den Bildern.

Bei Menschen mit Schlafstörungen ist das anders. Ihre Gedanken vor dem Einschlafen drehen sich häufiger um Planen und Problemlösen und sind unangenehmer als bei guten Schläfern.

Die Idee: das einschlafende Gehirn nachahmen

Der kanadische Kognitionswissenschaftler Luc Beaudoin von der Simon Fraser University stellte sich die Frage: Was, wenn wir diesen Zustand absichtlich nachahmen?

Seine Überlegung geht ungefähr so. Das Gehirn „prüft“, ob es sicher ist einzuschlafen. Solange der Kopf mit etwas Zusammenhängendem und Wichtigem beschäftigt ist, etwa dem Termin morgen, lautet das Signal „noch nicht“. Zerfallen die Gedanken dagegen in zufällige, unzusammenhängende Bilder, kann das für das Gehirn das Signal sein: „Jetzt geht es.“

Er nannte die Methode serielles vielfältiges Vorstellen (serial diverse imagining). Umgangssprachlich heißt sie Gedankenmischen.

Eines ist wichtig: Das ist Beaudoins Theorie. In seinem Text von 2013 schreibt er selbst, dass er keine neuen Daten vorlegt, nur einen Vorschlag. Der Text wurde zudem nicht von Fachleuten begutachtet.

So geht's

  1. Legen Sie sich hin, machen Sie das Licht aus und schließen Sie die Augen.
  2. Wählen Sie ein ruhiges Wort mit mindestens fünf Buchstaben, zum Beispiel WOLKE. Nehmen Sie keine Wörter, die mit Ihrem Leben, Ihrer Arbeit oder Ihren Sorgen zu tun haben.
  3. Nehmen Sie den ersten Buchstaben, W. Denken Sie sich Wörter mit W aus und stellen Sie sich jedes ein paar Sekunden lang vor: Wiese, Wal, Windmühle, Wecker.
  4. Wenn der Buchstabe Sie nicht mehr reizt, gehen Sie zum nächsten, O: Ofen, Ohr, Orange.
  5. Wenn Sie am Ende des Wortes angekommen sind und noch wach sind, nehmen Sie ein neues Wort.

Noch ein paar Tipps:

Der Autor nennt auch Grenzen. Die Methode passt schlechter, wenn Sie zu müde zum Wörterfinden, aber nicht schläfrig genug zum Schlafen sind, etwa beim Aufwachen mitten in der Nacht. Sie passt auch nicht zu Menschen, die bewusstes Nachdenken im Bett eher wach macht.

Was die Forschung über die Methode selbst sagt

Hier muss man ehrlich sein. Zum Gedankenmischen gibt es eine einzige Studie. Beaudoin und Kollegen stellten sie auf der Schlafkonferenz SLEEP 2016 als Poster vor. Dazu erschien nur eine kurze Zusammenfassung, kein vollständiger begutachteter Fachartikel.

Die Studie hatte aber keine Gruppe, die nichts tat. Wir wissen also nicht, wie viel der Verbesserung auf die Methode zurückgeht und wie viel einfach darauf, dass sich die Teilnehmenden einige Wochen lang um ihren Schlaf gekümmert haben. Beaudoin ist außerdem Miteigentümer einer Firma, die eine App auf Grundlage dieser Methode verkauft. Das gibt er auf dem Poster selbst an.

Was die Forschung über das Prinzip sagt

Beim Prinzip sieht es besser aus. Dass konkrete Bilder den Kopf von Sorgen ablenken, zeigen mehrere Studien:

Kurz gesagt: Das Gedankenmischen ist ein vernünftiger und harmloser Versuch. Sein Prinzip ist durch Studien gestützt. Dass es besser wirkt als andere Arten, den Kopf zu beschäftigen, hat aber noch niemand gezeigt.

Und die Schäfchen?

Schäfchenzählen ist der Klassiker, aber eigentlich das Gegenteil des Gedankenmischens. Die Schafe sind immer gleich, und die Zahlen kommen eine nach der anderen. Dafür braucht es wenig Aufmerksamkeit, und für Sorgen bleibt genug Platz. Genau deshalb rät die Oxforder Studie zu lebendigen, interessanten Bildern. Wer sich lieber eine einzige ruhige Szene vorstellt, etwa einen Spaziergang am Strand, liegt laut Forschung ebenfalls richtig.

Am Rande interessant: Vor dem Schlafen kommen Bilder auch von allein. In einem berühmten Versuch in Harvard spielten Menschen Tetris. Beim Einschlafen sahen sie fallende Klötzchen, obwohl sie nicht an das Spiel dachten. Das Gehirn spielt sich vor dem Schlafen ganz von selbst Bilder vor.

Wenn Wörterfinden keinen Spaß macht

Für manche ist das Wörterfinden im Bett eher Arbeit. Dann können Sie die Bilder fertig geliefert bekommen:

Und wenn nichts hilft und Sie lange wach liegen, stehen Sie auf und gehen Sie erst wieder ins Bett, wenn die Müdigkeit kommt. Warum das funktioniert, erklären wir im Artikel Nachts um drei aufgewacht? Wenn Sie drei Monate oder länger schlecht schlafen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

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