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Die Schlummerbibliothek

Abendspaziergang und Schlaf: wann, wie lange und warum er hilft

Ein kurzer Spaziergang nach dem Abendessen tut der Verdauung gut und gibt dem Kopf Zeit, langsamer zu werden. Was die Forschung zu Bewegung am Abend sagt.

Aktualisiert am 29.10.2026

Nach dem Abendessen setzen Sie sich vor den Fernseher, und schon ist es zehn. Oder Sie ziehen die Schuhe an und gehen für zwanzig Minuten nach draußen. Die zweite Möglichkeit klingt altmodisch. Für den Schlaf ist sie aber eines der besten Dinge, die Sie am Abend tun können. Warum das so ist und worauf Sie achten sollten, lesen Sie hier.

Heißt es nicht, man soll abends keinen Sport machen?

Doch. Lange hieß es, Bewegung am Abend mache munter und erschwere das Einschlafen. Die Forschung bestätigt das aber nicht so eindeutig.

Schweizer Forschende der ETH Zürich fassten 2019 insgesamt 23 Studien mit gesunden Erwachsenen zusammen. Die Teilnehmenden trainierten darin einmal am Abend, danach wurde gemessen, wie sie schliefen. Das Fazit: Bewegung am Abend verschlechterte den Schlaf insgesamt nicht. Der Tiefschlaf nahm sogar leicht zu. Eine Ausnahme gab es: Anstrengendes Training, das eine Stunde oder weniger vor dem Schlafen endete, konnte das Einschlafen verzögern und den Schlaf verkürzen.

Eine neuere Studie aus dem Jahr 2025 begleitete fast 15.000 Menschen mit Fitnessarmbändern ein ganzes Jahr lang. Je später und je intensiver die Menschen trainierten, desto später schliefen sie ein, desto kürzer schliefen sie und desto höher war ihr Puls in der Nacht. Bewegung, die mindestens vier Stunden vor dem Schlafen endete, veränderte den Schlaf dagegen nicht, egal wie anstrengend sie war. Die Forschenden raten: Wenn Sie schon spät trainieren, wählen Sie etwas Leichteres.

Und genau das ist ein ruhiger Spaziergang. Er ist kein Training. Sie kommen nicht außer Atem, Sie schwitzen nicht, und der Puls kommt schnell wieder zur Ruhe.

Warum ein Abendspaziergang hilft

Den Tag in den Beinen. Eine amerikanische Studie aus Boston begleitete 59 Erwachsene mittleren Alters, die einen Monat lang mehr gehen sollten. An Tagen, an denen sie aktiver waren als sonst, schliefen sie laut ihren Aufzeichnungen besser und länger. Dabei ging es um ganz normales Gehen, nicht um Sport. Bei Frauen war der Zusammenhang deutlicher als bei Männern. Es ist nur eine kleinere Studie, aber sie zeigt: Für besseren Schlaf brauchen Sie kein Fitnessstudio.

Bewegung nach dem Essen. Eine Übersicht über sieben Versuche aus dem Jahr 2022 zeigte: Wenn Menschen langes Sitzen durch kurzes, leichtes Gehen unterbrachen, war ihr Blutzucker nach dem Essen niedriger als beim Sitzen oder bloßen Stehen. Die Versuche betrafen keinen Abendspaziergang, zeigen aber, dass schon leichte Bewegung nach dem Essen dem Körper guttut. Nach einem üppigen Abendessen ist ein kurzer Spaziergang deshalb besser als das Sofa. Wann Sie zu Abend essen sollten und was vor dem Schlafen besser nicht, lesen Sie im Artikel Koffein, Alkohol und Essen am Abend.

Weniger Licht. Zu Hause leuchten abends Lampen, Fernseher und Handy. Draußen ist es nach Einbruch der Dunkelheit meist gedämpft. Für die innere Uhr ist das eine gute Nachricht. Amerikanische Forschende schickten 2013 Menschen für eine Woche zum Zelten in die Berge. Tagsüber waren sie in der Sonne, abends leuchtete nur ein Lagerfeuer, keine Lampen und keine Displays. Ihre innere Uhr verschob sich nach vorn: Der Körper begann die Nacht kurz nach Sonnenuntergang. Ein Abendspaziergang bringt Sie nicht in so ein Zeltlager. Aber er holt Sie für eine Weile weg von den Bildschirmen. Mehr dazu im Artikel Licht, innere Uhr und Zeitumstellung.

Zeit für den Kopf. Gehen hat einen gleichmäßigen Rhythmus. Schritte, Atem, kühle Luft. Viele Menschen lassen dabei in Ruhe den Tag Revue passieren, sodass die Sorgen nicht erst im Bett hochkommen. Einen direkten Beleg aus der Forschung gibt es dafür nicht, es ist eher eine Erfahrung. Was Sie mit Gedanken tun können, die sich nach dem Lichtausmachen melden, lesen Sie im Artikel Wenn die Gedanken im Bett kreisen.

So gehen Sie es an

Nach der Rückkehr passen eine Dusche, ein Buch oder etwas zum Zuhören. Hören Sie eine unserer Einschlafgeschichten für Erwachsene oder mit den Kindern ein Gute-Nacht-Märchen.

Spazieren mit Kindern und mit Hund

Für Kinder ist ein Abendspaziergang eine gute Möglichkeit, überschüssige Energie loszuwerden, ohne herumzutoben. Er sollte aber kurz und ruhig sein. Fangen spielen und Wettrennen vor dem Schlafen drehen Kinder eher auf.

Hundebesitzer sind im Vorteil. Die Abendrunde mit dem Hund findet jeden Tag statt, auch wenn man keine Lust hat. Und Regelmäßigkeit tut der inneren Uhr gut.

Sicher unterwegs im Dunkeln

Im Herbst und Winter ist es nach dem Abendessen schon dunkel. Ein paar Tipps:

Wo der Spaziergang an Grenzen stößt

Ein Spaziergang ist eine gute Gewohnheit, keine Behandlung. Wenn Sie seit Monaten schlecht schlafen, wird er das allein nicht lösen. Bei langanhaltenden Schlafstörungen ist die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) am besten untersucht. Welche Arten von Bewegung bei Schlafstörungen am besten wirken, fasst der Artikel Bewegung gegen Schlaflosigkeit zusammen. Weitere Gewohnheiten finden Sie unter Schlafhygiene: zehn Regeln.

„Die Verhaftung des Arsène Lupin“ anhörenWeitere Artikel