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Die Schlummerbibliothek

Schlafparalyse: Wach sein und sich nicht bewegen können

Sie sind wach, können aber weder Arm noch Stimme bewegen, und jemand scheint im Zimmer zu sein. Schlafparalyse ist unheimlich, aber harmlos. Was dahintersteckt.

Aktualisiert am 29.10.2026

Sie öffnen die Augen. Sie sehen das Zimmer, den Schrank, das Dämmerlicht hinter dem Fenster. Sie wollen sich umdrehen, aber der Körper gehorcht nicht. Sie können weder die Hand heben noch rufen. Auf der Brust liegt ein Druck, und an der Tür scheint jemand zu stehen. Nach einer Weile löst es sich, und Sie setzen sich ruckartig auf.

Wenn Sie das erlebt haben, sind Sie nicht allein. Das ist eine Schlafparalyse (auch Schlaflähmung genannt). Sie wirkt gespenstisch, ist aber an sich harmlos.

Was dabei passiert

Wenn wir träumen, lähmt das Gehirn vorübergehend die Muskeln von Armen und Beinen. Das ist eine Sicherung, damit wir unsere Träume nicht ausleben. Mehr dazu im Artikel Warum wir träumen.

Bei der Schlafparalyse tritt diese Sicherung im falschen Moment auf: beim Einschlafen oder beim Aufwachen. Der Geist ist schon wach, aber die Muskeln „schlafen“ noch. Man nimmt alles wahr, kann sich nur nicht bewegen.

Die Atmung funktioniert dabei ganz normal. Das Gefühl, zu ersticken oder von etwas niedergedrückt zu werden, ist unangenehm, aber der Atem setzt nicht aus. Die Lähmung dauert einige Sekunden, höchstens ein paar Minuten, und vergeht dann von selbst.

Warum sie so beängstigend ist

Das Gehirn ist halb im Traum. Deshalb begleiten die Schlafparalyse oft sehr lebhafte Trugbilder. Menschen berichten, dass:

Diese Erlebnisse sind so echt, dass Menschen sie jahrhundertelang übernatürlich erklärt haben. Im deutschen Volksglauben ist das der Alb oder Nachtmahr. Er kommt nachts zu den Schlafenden, setzt sich auf ihre Brust und drückt ihnen die Luft ab. Daher stammen die Wörter Albtraum und Alpdrücken, und auch das englische nightmare geht auf die „Mahr“ zurück. Die Beschreibung ähnelt auffallend dem, was wir heute Schlafparalyse nennen. Verwandte Gestalten kennen auch die slawischen Völker und die Völker auf dem Balkan.

Es hilft zu wissen: Es ist nichts Übernatürliches und nichts Gefährliches. Schlaf und Wachsein überlappen sich nur für einen Moment.

Wie häufig sie ist

Häufiger, als man denkt. Eine Auswertung von 35 Studien mit mehr als 36 000 Menschen zeigte, dass etwa 8 von 100 Menschen mindestens einmal im Leben eine Schlafparalyse erlebt haben. Bei Studierenden war es mehr als ein Viertel. Häufiger war sie auch bei Menschen mit Ängsten, vor allem mit einer Panikstörung.

Meist tritt sie zum ersten Mal in der Jugend, zwischen 14 und 17 Jahren auf. Am häufigsten erleben Menschen sie zwischen zwanzig und vierzig. Manche nur einmal im Leben, andere mehrmals im Jahr. Sie kommt auch familiär gehäuft vor.

Was sie auslöst

Die genaue Ursache kennt niemand. Offensichtlich begünstigen eine Schlafparalyse aber:

Was tun, wenn sie kommt

Im Moment der Lähmung hilft vor allem Ruhe. Versuchen Sie Folgendes:

Auch eine Berührung oder die Stimme eines anderen Menschen kann die Lähmung beenden. Wenn Sie sie öfter erleben, erzählen Sie Ihrem Partner davon. Er weiß dann, was los ist, und erschrickt nicht, wenn Sie ihn nachts wecken.

Wenn die Lähmung nachlässt, setzen Sie sich ruhig auf, machen Sie ein gedämpftes Licht an und atmen Sie ein paar Minuten durch. Danach kann man wieder einschlafen. Auch eine ruhige Stimme kann helfen: Hören Sie eine unserer Einschlafgeschichten.

Wie man vorbeugt

Eine Schlafparalyse kommt am häufigsten nach schlechten Nächten wieder. Die beste Vorbeugung ist deshalb guter und regelmäßiger Schlaf:

Weitere Grundlagen für guten Schlaf fasst der Artikel Schlafhygiene zusammen.

Wann zum Arzt

Meist ist keine Behandlung nötig. Gehen Sie aber zur Ärztin oder zum Arzt, wenn:

  • Sie wegen der Lähmung Angst vor dem Schlafengehen haben oder Ängste Sie quälen.
  • Sie tagsüber müde sind, weil Sie ihretwegen schlecht schlafen.
  • Die Lähmung von unbeherrschbarer Tagesschläfrigkeit, plötzlichem Einschlafen oder plötzlicher Muskelschwäche beim Lachen oder Erschrecken begleitet wird. Das können Zeichen einer Narkolepsie sein, die im Schlaflabor untersucht werden sollte.
  • Sie nach einem Wechsel von Medikamenten aufgetreten ist.

Die Hausärztin oder der Hausarzt kann Schlaflosigkeit oder Ängste behandeln, die eine Schlafparalyse auslösen. Auch die kognitive Verhaltenstherapie hilft. Wenn das nicht reicht, verordnen Schlafmediziner manchmal ein Medikament in niedriger Dosis.

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