Abends ist das Kind müde, Sie auch. Und trotzdem zieht sich das Einschlafen hin. Noch etwas trinken, noch aufs Klo, noch ein Buch. Bei Zwei- bis Vierjährigen ist das ganz normal und kein Fehler der Eltern. Die gute Nachricht: Ein kurzes, regelmäßiges Abendritual hilft wirklich.
Was die Forschung sagt
In einer Studie sollten Mütter von Kindern zwischen 7 Monaten und 3 Jahren jeden Abend dasselbe Ritual einführen. Schon nach zwei Wochen schliefen die Kinder schneller ein und wachten nachts seltener und kürzer auf. Und die Stimmung der Mütter wurde besser.
Eine große Umfrage zu mehr als zehntausend Kindern unter fünf Jahren aus 13 Ländern zeigte noch etwas. Je mehr Abende pro Woche das Ritual stattfindet, desto besser schlafen die Kinder. Es muss nicht jeden Tag perfekt klappen. Es zählt die Regelmäßigkeit.
Das Ritual muss nicht kompliziert sein. Meist gehören dazu etwas trinken oder eine kleine Mahlzeit, Körperpflege (Baden, Zähneputzen), Erzählen oder Vorlesen und Kuscheln.
Wie viel Schlaf ein Kind braucht
Die Amerikanische Akademie für Schlafmedizin (AASM) empfiehlt:
- 1–2 Jahre: 11–14 Stunden in 24 Stunden, einschließlich Tagschlaf,
- 3–5 Jahre: 10–13 Stunden in 24 Stunden, einschließlich Tagschlaf.
Das sind Spannen, kein genaues Ziel. Mehr über Schlaf nach Alter steht im Artikel Wie viel Schlaf brauchen Kinder? Wann Ihr Kind ins Bett sollte, berechnet der Schlafrechner.
Feste Zeit – und Vorsicht vor Übermüdung
Es hilft, wenn das Kind jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit ins Bett geht, auch am Wochenende. Eine große amerikanische Umfrage ergab, dass Kinder, die spät ins Bett gingen (nach neun Uhr abends), länger zum Einschlafen brauchten und weniger schliefen.
Warten Sie nicht, bis Ihr Kind gähnt und sich die Augen reibt. Dann ist es oft schon zu spät. Die Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde (AAP) rät: Wenn das Einschlafen nicht klappt, versuchen Sie, die Bettzeit um 15–20 Minuten vorzuziehen.
Ein Beispiel: Baden, Zähne, Buch, Bett
Die AAP spricht vom Ritual Zähne, Buch, Bett. Wir nehmen noch das Baden dazu. Das Ganze dauert etwa eine halbe Stunde, immer in derselben Reihenfolge.
Ein Beispiel für ein Kind, das um 19:30 Uhr einschlafen soll:
- 18:30 – Abendessen und Ruhe. Bildschirme sind schon aus.
- 19:00 – Baden. Kurz und warm, ohne wildes Planschen.
- 19:10 – Schlafanzug, trinken, Toilette, Zähne. Die Zahnpasta nur ausspucken, nicht ausspülen.
- 19:15 – Buch. Etwa 15 Minuten Vorlesen im Bett oder auf dem Schoß.
- 19:30 – Kuscheln, Gute Nacht, Licht aus.
Verschieben Sie die Zeiten nach Ihrem Tagesablauf. Wichtig ist, dass es immer gleich abläuft. Dann weiß das Kind von selbst, was als Nächstes kommt.
Wenn das Baden nicht klappt, macht das nichts. Zähne, Buch und Bett reichen. Warum Vorlesen so wertvoll ist, steht im Artikel Kindern vorlesen und erzählen.
Bildschirme erst morgen wieder
Die AAP empfiehlt, Bildschirme mindestens eine Stunde vor dem Schlafen auszuschalten und keine im Kinderzimmer zu haben. Ersetzen Sie das Märchen vom Tablet durch ein Buch oder durch Erzählen. Warum Bildschirme den Schlaf stören, steht im Artikel Handy im Bett.
Abends helfen auch gedämpftes Licht und Ruhe. Wildes Toben kurz vor dem Schlafen macht das Kind wieder wach.
Kleine Wahl statt großem Kampf
Zwei- und Dreijährige wollen selbst bestimmen. Lassen Sie sie – aber zwischen zwei Möglichkeiten:
- „Willst du den Schlafanzug mit dem Bären oder den mit dem Auto?“
- „Lesen wir dieses Buch oder das da?“
Das Kind hat das Gefühl, selbst zu entscheiden. Und Sie wissen, dass es ins Bett geht.
Typische Schwierigkeiten und was hilft
Hinauszögern. Das Kind findet immer noch etwas, das es tun muss. Trinken und Toilette gehören deshalb vorher ins Ritual. Wenn es dann noch einmal möchte, erinnern Sie ruhig: „Das haben wir schon gemacht.“
„Noch eins!“ Vereinbaren Sie vorher: ein Buch oder zwei. Dann ist Schluss. Sagen Sie es freundlich und immer gleich.
Steht wieder auf. Bringen Sie es ruhig zurück und sprechen Sie wenig. Sagen Sie ruhig und bestimmt Gute Nacht und gehen Sie.
Angst im Dunkeln. Mit zwei bis vier Jahren ist sie normal. Es hilft ein schwaches Nachtlicht und ein Lieblings-Kuscheltier oder eine Schmusedecke. Sie erinnern das Kind daran, dass es sicher ist, auch wenn Sie hinausgehen. Mehr dazu in den Artikeln Kind hat Angst im Dunkeln und Albträume und Nachtschreck bei Kindern, über Licht im Zimmer im Artikel Schlafzimmer: Temperatur, Licht und Lärm.
Wacht nachts auf. Kurzes Aufwachen ist normal. Es hilft, wenn das Kind allein einschläft, müde, aber noch wach. In der Umfrage wachten Kinder, bei denen ein Elternteil bis zum Einschlafen blieb, öfter auf. Wer mit Mama oder Papa daneben einschläft, sucht sie dann in der Nacht. Ändern Sie das langsam und liebevoll.
Und wenn etwas nicht sofort klappt? Das ist nicht schlimm. Das Ritual wirkt erst nach einigen Abenden.
Wann Sie zum Kinderarzt gehen sollten
Die meisten Schlafprobleme lassen sich lösen. Sprechen Sie aber mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt, wenn:
- Ihr Kind oft und laut schnarcht, durch den Mund atmet oder im Schlaf würgt oder hustet,
- Sie Atempausen bemerken,
- es tagsüber sehr müde, gereizt oder unkonzentriert ist,
- das Einschlafen fast jeden Abend lange dauert und nichts von oben hilft.
Schnarchen allein muss nichts bedeuten. Es ist aber gut, es mit dem Arzt zu besprechen.
Zum Abschluss des Abends genügt ein Buch oder eine kurze Geschichte. Wenn Sie einfach zuhören möchten, wählen Sie eines unserer Gute-Nacht-Märchen. Ob Märchen wirklich beim Einschlafen helfen, besprechen wir im Artikel Helfen Gute-Nacht-Geschichten beim Einschlafen?
Quellen
- Paruthi u. a. (AASM), J Clin Sleep Med 2016 – empfohlene Schlafdauer für Kinder
- Mindell u. a., Sleep 2009 – Abendritual, Schlaf kleiner Kinder und Stimmung der Mütter
- Mindell u. a., Sleep 2015 – je häufiger das Ritual, desto besser der Schlaf (13 Länder)
- Mindell u. a., Sleep Med 2009 – Schlafhygiene bei Kindern (Umfrage Sleep in America 2004)
- Mindell und Williamson, Sleep Med Rev 2018 – der Nutzen eines Abendrituals
- AAP HealthyChildren 2026 – Healthy Sleep Habits
- AAP HealthyChildren 2024 – Brush, Book, Bed
- Sleep Foundation 2025 – Bedtime Routines for Children
- Marcus u. a. (AAP), Pediatrics 2012 – Schnarchen und Schlafapnoe bei Kindern
- Sleep Foundation 2026 – Children and Sleep Apnea
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.



