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Die Schlummerbibliothek

Zehn Schlafmythen, die viele noch glauben

Reichen fünf Stunden? Hilft ein Schlummertrunk? Kann man Schlaf am Wochenende nachholen? Zehn verbreitete Irrtümer und was Fachleute und Forschung dazu sagen.

Aktualisiert am 29.10.2026

Mit dem Schlaf hat jeder seine eigenen Erfahrungen, und deshalb auch seine eigene Meinung. Von der Oma, aus dem Internet, von den Kollegen. Manches davon stimmt, manches ist eine Halbwahrheit, und manches ist ein Mythos.

2019 stellte eine Gruppe amerikanischer Schlafexperten eine Liste von zwanzig verbreiteten Schlafmythen zusammen. Sie bewerteten, wie falsch sie sind und wie sehr sie der Gesundheit schaden können. Wir haben neun davon ausgewählt, einen umstrittenen ergänzt und als Bonus den Mond.

1. „Mir reichen fünf Stunden“

Das ist laut den Fachleuten der Mythos, der am meisten schaden kann. Erwachsene brauchen nach Angaben des amerikanischen Gesundheitsinstituts NHLBI sieben bis neun Stunden Schlaf. Wer regelmäßig weniger als sieben Stunden schläft, hat häufiger gesundheitliche Probleme.

Wer behauptet, „mit fünf Stunden auszukommen“, hat sich meist nur an die Müdigkeit gewöhnt. Warum, erklärt der nächste Punkt.

2. „An wenig Schlaf gewöhnt sich der Körper“

Tut er nicht. Die Fachleute zählen diesen Mythos zu den falschesten. Wer zu wenig schläft, fühlt sich ein paar Tage lang immer schläfriger. Dann gewöhnt er sich an das Gefühl der Müdigkeit und nimmt es weniger wahr. Messungen zeigen aber, dass seine Leistung auch nach mehreren Wochen schlechter bleibt. Wie viel Schlaf Sie brauchen und wann Sie ins Bett gehen sollten, berechnet unser Schlafrechner.

3. „Wer überall und jederzeit einschläft, schläft hervorragend“

Klingt nach einer Gabe, ist aber oft ein Warnsignal. Wer im Bus, im Kino und in der Besprechung einnickt, hat meist ein Schlafdefizit. Oder er hat eine Schlafstörung, etwa eine Schlafapnoe. Die Fachleute bewerteten diesen Mythos als einen der falschesten.

4. „Den Schlaf der Woche hole ich am Wochenende nach“

Hier ist es komplizierter. Die Fachleute haben diese Aussage am Ende nicht in die Liste der Mythen aufgenommen. Am Wochenende länger zu schlafen hilft ein wenig, wenn Sie unter der Woche zu wenig geschlafen haben.

Ein Versuch aus Colorado von 2019 zeigte aber die Grenzen. Junge, gesunde Freiwillige schliefen an fünf Werktagen nur fünf Stunden und durften am Wochenende ausschlafen, so lange sie wollten. Den Schlaf der ganzen Woche holten sie aber nicht nach: Am Wochenende schliefen sie insgesamt nur etwa eine Stunde mehr als sonst. Als sie danach wieder zu wenig schliefen, aßen sie abends mehr, nahmen zu, und ihr Körper verarbeitete Zucker schlechter. Nach dem Wochenende hatte sich außerdem ihre innere Uhr nach hinten verschoben.

Besser als Nachholen ist es, die ganze Woche ausreichend zu schlafen.

5. „Im Alter braucht man weniger Schlaf“

Ältere Menschen schlafen oft weniger. Das heißt aber nicht, dass sie weniger brauchen. Das amerikanische Nationale Institut für Altersforschung (NIA) gibt an, dass ältere Menschen etwa genauso viel Schlaf brauchen wie andere Erwachsene, also sieben bis neun Stunden. Mit dem Alter verändert sich der Schlaf aber. Er wird leichter und öfter unterbrochen. Mehr dazu im Artikel Schlaf im Alter.

6. „Mit geschlossenen Augen liegen ist fast wie schlafen“

Ist es nicht. Ausruhen im Bett ist angenehm, aber das Gehirn durchläuft dabei weder Tiefschlaf noch Traumphase. Und genau die brauchen Körper und Gehirn.

7. „Wenn man nicht einschlafen kann, bleibt man am besten liegen“

Das ist das Gegenteil dessen, was Schlafmediziner raten. Wer sich lange hin und her wälzt, dessen Gehirn verknüpft das Bett mit Wachsein und Nervosität. Besser ist es, aufzustehen, in ein anderes Zimmer zu gehen und zurückzukommen, wenn die Müdigkeit kommt. Wie das geht, beschreiben wir in den Artikeln Wenn man nicht einschlafen kann und Nachts um drei aufgewacht?

8. „Ein Schlummertrunk hilft beim Schlafen“

Eine Halbwahrheit, und gerade deshalb so tückisch. Alkohol hilft tatsächlich, schneller einzuschlafen. Eine Übersicht aller bekannten Studien von 2013 zeigte aber, dass er den Schlaf in der zweiten Nachthälfte stört. Außerdem verzögert er die Traumphase und verkürzt sie bei höheren Mengen sogar. Morgens sind Sie dann nicht erholt, obwohl Sie schnell eingeschlafen sind. Mehr dazu im Artikel Koffein, Alkohol und Essen am Abend.

9. „Schnarchen ist harmlos und stört nur den Partner“

Gelegentliches leises Schnarchen schadet nicht. Häufiges lautes Schnarchen kann aber ein Zeichen für Schlafapnoe sein. Dabei setzt die Atmung im Schlaf immer wieder aus. Das amerikanische Institut NHLBI zählt zu ihren Anzeichen gerade lautes Schnarchen, Schnappen nach Luft und eine Atmung, die stockt und wieder einsetzt. Oft weiß man davon nichts, bis es einem jemand sagt. Mehr dazu im Artikel Schnarchen und Schlafen zu zweit.

10. „Im Schlaf ruht das Gehirn und tut nichts“

Diesen Mythos bezeichneten die Fachleute einstimmig als völlig falsch. Das amerikanische Nationale Institut für neurologische Erkrankungen (NINDS) schreibt, dass Gehirn und Körper im Schlaf bemerkenswert aktiv bleiben. Im Schlaf speichert das Gehirn neue Erinnerungen. Nach neueren Erkenntnissen wird dort auch aufgeräumt: Stoffe, die sich über den Tag angesammelt haben, werden ausgeschwemmt. Schlaf ist also keine verlorene Zeit.

Bonus: Schläft man bei Vollmond schlechter?

Über den Einfluss des Mondes auf den Schlaf wird seit jeher geredet. 2013 werteten Schweizer Forschende noch einmal Daten aus dem Schlaflabor aus. Bei Vollmond brauchten die Menschen etwa fünf Minuten länger zum Einschlafen, schliefen etwa zwanzig Minuten weniger und hatten weniger Tiefschlaf. Die Studie war aber klein.

Ein Jahr später prüfte ein anderes Team einen viel größeren Datensatz und fand keinen Einfluss. Die Forschung streitet weiter darüber. Wenn Sie bei Vollmond schlechter schlafen, kann das also einen ganz gewöhnlichen Grund haben: Licht im Schlafzimmer, oder dass Sie den Vollmond schon erwarten. Gute Vorhänge können helfen.

Was man daraus mitnehmen kann

Die meisten Mythen haben einen gemeinsamen Kern: Schlaf lässt sich nicht austricksen. Er lässt sich nicht dauerhaft verkürzen, nicht am Wochenende „auffüllen“ und nicht durch Liegen oder einen Schlummertrunk ersetzen. Am besten wirkt Regelmäßigkeit. Wo Sie anfangen können, fasst der Artikel Schlafhygiene: zehn Regeln zusammen.

Und wenn Ihnen abends die Gedanken durch den Kopf gehen, probieren Sie statt Wälzen eine ruhige Stimme. Hören Sie eine Einschlafgeschichte oder eine Geschichte zum Zuhören, mit Timer und ausgeschaltetem Display.

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